All Things Considered

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Der digitale Lesezirkel ist da

Sunday, August 17th, 2008

Auf Mymagazines.com kann man eingescannte Magazine und Zeitschriften hochladen und mit anderen Nutzern teilen. Die einzelnen Titel lassen sich bequem durchblättern, interessantes zoomt man heran oder kommentiert es. Der Reader ist sehr komfortabel ausgestattet, und macht das Lesen einfach und intuitiv, in manchen Fällen ist sogar das Inhaltsverzeichnis logisch verknüpft und man muss nur noch auf den Titel eines Artikels klicken, um zum gewünschten Inhalt zu gelangen.

Von Business-Titeln wie Advertising Age und The Economist, über Lifestyle-Blätter wie FHM und Cosmopolitan bis zu Macworld und National Geographic ist schon so ziemlich alles dabei – das ist definitiv mehr Auswahl als bei meinem Kiosk an der Ecke. Mymagazines.com konkurriert, wenn es um die Produktauswahl geht, schon eher mit dem Bahnhofshandel.

Natürlich sehen das die Zeitschriftenverleger nicht gerne, und erwägen rechtliche Schritte gegen die Seite, die erst seit Juli 2008 online ist. Die Firma, die für einen John Smith in The Valley in Anguilla eingetragen ist, rechtfertigt sich damit, dass ihre Art der Bereitstellung sich nicht von der Nutzung in ärztlichen Wartezimmern oder in Friseursalons unterscheide. In beiden Fällen kauft jemand ein Exemplar und macht es dann anderen an einem bestimmten Ort zugänglich. Dass die Seite mit fremden Inhalten Geld macht, kann man den Machern jedenfalls nicht vorwerfen – Anzeigen oder eine Registrierungsgebühr fehlen komplett.

Ob das Modell jetzt Bestand hat oder nicht, es ist auf jeden Fall ein weiteres Beispiel dafür, dass sich von kaum einen analogen Inhalt die Digitalisierung verhindern lässt. Denn wenn es die Rechteinhaber nicht selbst machen, dann übernehmen das eben die Nutzer. Und nur um die Cosmopolitan zu lesen, muss man jetzt nicht mehr zum Arzt gehen.

(via)

Was nichts kostet ist nichts wert?

Monday, March 3rd, 2008

Chris Anderson -

Der Entdecker des Long Tail, Chris Anderson, hat ein neues Projekt. In seinem kommenden Buch beschäftigt er sich mit der “Freeconomy”, in der alles für umsonst zu haben ist. Na ja, beinahe. Einen ausführlichen Ausblick in die Welt der unendlich kleinen Grenzkosten erlaubt er im Wired Magazine.Vielleicht beantwortet er ja mit diesem Buch, das 2009 erscheinen soll und tatsächlich Geld kosten wird, die ewige Frage: Sollten Nachrichten im Internet umsonst sein? Mit umsonst ist gemeint: kein exklusiver Zugang für Abonnenten der Print-Ausgabe, keine Archiv-Artikel für fünfzig Cent, alle Artikel online frei zugänglich.

Denn damit quält sich die Medien-Branche wie die -Wissenschaft seit längerem herum. Im Moment schlägt das Pendel in die Richtung freier Zugang zu allen Inhalten. Was sich aber auch wieder ändern kann. In der Praxis geben die seit Jahren steigenden Budgets für Online-Werbung der Hoffnung auftrieb, mehr und mehr Nachrichtenseiten könnten sich durch Anzeigen finanzieren.

Das Problem ist nur: Der Markt für Online-Werbung wächst nicht annähernd so schnell, wie das die Budgets für Anzeigen in Print-Produkten zurück gehen. Wenn Zeitungen jetzt ihre Artikel aus den Printausgaben online kostenlos anbieten, schneiden sie sich damit nicht ins eigene Fleisch? Die These der radikalen umsonst Advokaten ist, dass wer jetzt seine Archive nicht öffnet, in zehn Jahren ohnehin irrelevant geworden ist. Da ist es dann egal, ob man schon jetzt pleite geht, weil niemand mehr die eigene Zeitung kauft, oder ob man in zehn Jahren pleite geht, weil man es nicht geschafft hat, eine Nachrichtenseite mit genügend großer Leserschaft aufzubauen. Dann lieber gleich ins offene Messer springen und hoffen, dass man doch noch irgendwie die magische Formel entdeckt.

Auch die Wissenschaft zieht derzeit einen ähnlichen Schluss. Die “Willingness-To-Pay” ist einfach nicht hoch genug ist das Fazit einer der wenigen Studien zum Thema.

“A random-sample telephone survey of 853 Hong Kong residents found very few users actually responded to paid content and most had no intent to pay in the future.”

Auch das sah schon einmal anders aus.

Nachrichten sind halt eine ganz spezielle Ware, mit schnellem Verfallsdatum aber auch der Möglichkeit, ein und dieselbe Nachricht hundertausendmal zu verkaufen. Dazu kommt: Rein in monetären Größen ist der gesellschaftliche Wert eines freien und funktionierenden Medien-Systems nicht zu beziffern. Darum ist das Fazit der Wissenschaftler vorläufig auch:

“However, as the Internet has become an important news medium serving millions of news users worldwide, the answer to Kawamoto’s (2003) question “Is there value to maintaining digital media when profitability is not achievable?” (p. 27) should be a yes.”

Was aber erst einmal beweist: Nachrichten die nichts kosten sind trotzdem etwas wert. Demnächst gibt’s mehr dazu, weil ich über dieses wunderbare Thema nämlich eine Hausarbeit schreibe.