All Things Considered

Medien-Aktien: Kein Anlage-Tipp

Published on 15/11/08
by Kolja

Im letzten November habe ich im Börsenspiel der FAZ ein eigenes Depot nur mit Aktien von Medienunternehmen aus Europa und den USA eingerichtet. Die 50.000 Euro, die ich damals investiert habe, sind heute noch 31.744,76 Euro wert. In einem Jahr hat das Depot 37% Wertverlust erlebt. Das sieht dann so aus:

Sicher, insgesamt war das kein gutes Jahr für die Börse, aber die Talfahrt von Dax wie Dow Jones setzte vor allem in den letzten beiden Monaten als Folge der verschärften Finanzkrise ein.

Dow Jones Ein-Jahres-Performance:

Aufgefächert sieht mein Portfolio folgendermaßen aus, interessant ist die vorletze Spalte, die die prozentuale Änderung  zum Kaufkurs angibt:

Depot mediastocks
Aktuelle Positionen :
—————————————————————————–
Stk    | Wertpapier    |Kaufdatum |Kaufkurs |akt. Kurs|Aenderung |Gesamtwert
——–+—————+———-+———+———+———-+———-
30|Bertelsmann  92|2007-11-08|   157.00|    91.00|   -42.04%|   2730.00
45|Axel Springer A|2007-11-08|   103.25|    48.40| -53.12%|   2178.00
100|Vivendi Univers|2008-10-06|    22.04|    20.48|    -7.08%|   2048.00
500|Gannett        |2007-11-23|    24.56|     8.03|   -67.30%|   4015.00
50|Disney (Walt) C|2007-11-08|    22.80|    17.31|   -24.08%|    865.50
400|TRIBUNE <USA><F|2007-11-23|    18.72|    23.21|    23.99%|   9284.00
1000|PRIMEDIA INC.  |2007-11-23|     5.45|     1.09|   -80.00%|   1090.00
850|cox radio a    |2007-11-23|     7.89|     5.20|   -34.09%|   4420.00
50|Viacom Inc. Reg|2007-11-08|    27.77|    15.35|  -44.72%|    767.50
100|Time Warner Inc|2007-11-08|    12.05|     7.62|   -36.76%|    762.00
|———-
Bargeld    |   3584.76
|==========
Gesamtwert |  31744.76

Zum Glück hab ich Tribune Aktien!

Trotz der bereits eingesteckten Verluste hat die Konsolidierung und Marktbereinigung im Medien-Bereich gerade erst angefangen. Emily Bell, Digital-Chef des Guardian, erwartet in den nächsten Monaten “ein Gemetzel unter den westlichen Medien“. Wie das in Deutschland aussieht, erleben wir gerade. Ob Sat1, WAZ, Gruner + Jahr oder der Süddeutsche Zeitung Verlag - alle müssen Sparen, was vor allem auf Stellenstreichungen hinausläuft.

Die Situation in den USA ist noch dramatischer. Nachdem vor allem die Tageszeitungsverlage im letzten Jahr Umsatzrückgänge kompensieren mussten, trifft sie nun die Finanzkrise doppelt hart. Die Konjunkturabschwächung bedeutet ein geringeres Werbevolumen, dessen Ausfall nur noch schwer mit weiteren Krediten abgedeckt werden kann.

Zahlen wie die folgenden aus dem dritten Quartal dieses Jahres dürften für viele strauchelnde Verlage einem Todesurteil nahe kommen. Die Grafik gibt die prozentualen Verluste von operativen Umsätzen (alle Einnahmen vor Steuern, Zinszahlungen und Abschreibungen - EBITDA), und Anzeigen- und Kiosk-Verkäufen von zwölf ausgewählten Verlagen wieder. Während die Verkäufe über drei Monate einen Rückgang um 10% erlebt haben, sind die operativen Umsätze um durchschnittlich fast 200% weggebrochen. Das heißt, die Profitabilität der Tageszeitungen in dieser Gruppe ist 18½ mal schneller gefallen, als die Verkäufe von Anzeigen und Zeitungsexemplaren gesunken sind.

Die Grafik stammt vom Newsosaur. Dort schreibt Alan D. Mutter: Alle Verlage in der Analyse haben im vergangenen Jahr bereits ihre Kosten gesenkt, durch Stellenstreichungen, Outsourcing oder Einstellungen von ganzen Ausgaben. Einige Tageszeitungen erscheinen gar nicht mehr gedruckt, oder nur noch an wenigen Tagen. Trotzdem scheiterten alle Verlage daran, die Ausgaben schneller zu senken als die Profite geschrumpft sind.

Wenn jetzt die volle Breitseite der Finanzkrise die Verlage erreicht, wird einigen Verlegern nichts anderes übrig bleiben, als ihre angeschlagenen Schiffe untergehen zu lassen.

UPDATE

Zeitungs-Aktien in den USA haben 2008 83% ihres Werts verloren, oder 64 Milliarden US$—doppelt so viel, wie der S&P 500 Index.

copyright by Newsosaur

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(via Newsosaur)

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