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JournalistenVZ
Published on 09/06/08
by Kolja
Britische Journalisten erfreuen sich einer ganz besonderen Aufmerksamkeit: Auf Journalisted kann jeder ihr Schaffen verfolgen. Die Artikel eines Reporters lassen sich gebündelt anzeigen, man kann auch gleich die allerneuesten Geschichten abonnieren, und bekommt einen Hinweis, sobald etwas neues publiziert wurde.
Wenn die Medien Menschen in ihren öffentlichen Funktionen zur Verantwortung ziehen sollen, dann ist es ja nur recht und billig, wenn die Menschen hinter den Medien genauso sehr verantwortlich gehalten werden. Trotzdem ist das wohl für die meisten Journalisten erstmal erschreckend, zwar freut man sich wenn die eigene Byline mal wiedererkannt wird, aber Journalisted geht noch etwas weiter. Die Seite funktioniert als Referenzpunkt, an dem sich Aussagen festmachen lassen, indem sie alle Arikel eines Autoren an einem Ort zusammenbringt. “Was interessiert mich, was ich gestern geschrieben hab”, funktioniert unter diesen Bedingungen nicht mehr.
Dabei passiert auf der Seite nichts anderes, als ohnehin verfügbare Information zu sammeln und zusammenzuführen. Jeff Jarvis und Howard Owens würden die Seite wahrscheinlich begrüßen, ist sie doch ein Baustein in ihrem Baukasten für einen offeneren, moderneren Journalismus. Sie fordern, dass Journalisten die Entstehungsgeschichte ihrer Artikel öffentlich machen und in der Öffentlichkeit immer mit ihren Namen auftreten, damit sich ihre Aussagen überprüfen lassen.
Das Problem ist nur, dass diese Forderungen nach Integrität und Verantwortlichkeit einen idealen Maßstab an Artikel anlegen, die unter alles anderen als idealen Bedingungen entstanden sind. Bei dem Boulevardblatt The Sun kommt man nicht weit, wenn man immer den journalistischen Ethikkodex rausholt, wenn der Chefredakteur die Headline mal wieder zuspitzt. Ob Journalisted ein längst überfälliges Kontrollwerkzeug ist, oder bloß genutzt wird, um die Boulevard-Journaille mal so richtig vorzuführen, oder aber einfach nur eine Möglichkeit darstellt, dem Werkeln diverser Edelfedern zu folgen, ist nicht auszumachen. Wahrscheinlich alles ein bißchen, die Macher der Seite sehen sich jedenfalls als Kontrollinstanz, und fordern einen transparenten Journalismus ein. Es ist eben wie mit diesen vermaleideten sozialen Netzwerken – die Möglichkeiten zur Vernetzung sind da, die Auswirkungen sind bloß nicht abzusehen.
(via)
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