All Things Considered

Archive for the ‘Web’ Category

Der digitale Lesezirkel ist da

Sunday, August 17th, 2008

Auf Mymagazines.com kann man eingescannte Magazine und Zeitschriften hochladen und mit anderen Nutzern teilen. Die einzelnen Titel lassen sich bequem durchblättern, interessantes zoomt man heran oder kommentiert es. Der Reader ist sehr komfortabel ausgestattet, und macht das Lesen einfach und intuitiv, in manchen Fällen ist sogar das Inhaltsverzeichnis logisch verknüpft und man muss nur noch auf den Titel eines Artikels klicken, um zum gewünschten Inhalt zu gelangen.

Von Business-Titeln wie Advertising Age und The Economist, über Lifestyle-Blätter wie FHM und Cosmopolitan bis zu Macworld und National Geographic ist schon so ziemlich alles dabei – das ist definitiv mehr Auswahl als bei meinem Kiosk an der Ecke. Mymagazines.com konkurriert, wenn es um die Produktauswahl geht, schon eher mit dem Bahnhofshandel.

Natürlich sehen das die Zeitschriftenverleger nicht gerne, und erwägen rechtliche Schritte gegen die Seite, die erst seit Juli 2008 online ist. Die Firma, die für einen John Smith in The Valley in Anguilla eingetragen ist, rechtfertigt sich damit, dass ihre Art der Bereitstellung sich nicht von der Nutzung in ärztlichen Wartezimmern oder in Friseursalons unterscheide. In beiden Fällen kauft jemand ein Exemplar und macht es dann anderen an einem bestimmten Ort zugänglich. Dass die Seite mit fremden Inhalten Geld macht, kann man den Machern jedenfalls nicht vorwerfen – Anzeigen oder eine Registrierungsgebühr fehlen komplett.

Ob das Modell jetzt Bestand hat oder nicht, es ist auf jeden Fall ein weiteres Beispiel dafür, dass sich von kaum einen analogen Inhalt die Digitalisierung verhindern lässt. Denn wenn es die Rechteinhaber nicht selbst machen, dann übernehmen das eben die Nutzer. Und nur um die Cosmopolitan zu lesen, muss man jetzt nicht mehr zum Arzt gehen.

(via)

Murdoch mag Google

Friday, May 30th, 2008

Rupert Murdoch war on stage auf der D6 Conference letzte Woche. Einiges interessantes ist dabei gewesen, vor allem die unglaubliche Zahl von 8,3 Redakteuren, die beim Wall Street Journal durchschnittlich an einer Story feilen. Auch nicht schlecht sind Murdochs Aussagen zu Google:

“Every piece of story in WSJ has on average about 8.3 editors involved [...] that is ridiculous. You have to get all of the facts in in half the space [...] New York Times charges $500 a year for subscription [...] now we charge about $150 a year. We still have a long way to go.”

“I think they [Google] are great partners [...] I think they are the greatest company in America. But, for anyone to be a monopoly is a problem [...] but the marketplace takes care of monopolies.”

Ein neues Buch über die Abenteuer des Medien-Grandseigneurs in China ist gerade in den USA erschienen. Irgendwie sträube ich mich seit Jahren mal eine Biographie von Murdoch zu lesen, vielleicht ist das ja mal was. Toller Name übrigens, also die “All Things Digital” Konferenz.

(via)

Interaktivität von Nachrichtenwebsites

Friday, May 9th, 2008

Das britische Online Journalism Blog sammelt seit einiger Zeit Daten zur Interaktivität von Nachrichtenwebsites. Daraus ergibt sich dieses Tool, das den bisherigen Datenbestand vergleichbar macht:

Deutsche Seiten sind noch nicht dabei, die findet man aber bei Wortfeld.de. Dort hat Alexander Svensson mit einem Wiki zu den Features deutscher Tageszeitungwebsites ähnliches versucht. Insgesamt ist der Datensatz des Online Journalism Blog eher dürftig, interessant ist der Versuch trotzdem. Interaktivität ist in der Kommunikationswissenschaft ein bekanntes und auch einigermassen gut erforschtes Konzept.

Das Problem der Wissenschaft ist gerade bei diesem Konzept aber meist die theoretische Begründung. Bei Interaktivitäts-Studien werden häufig demokratie-theoretische Aspekte bemüht, um die Wichtigkeit von interaktiven Elementen zu unterstreichen. Ein Lieblingsbeispiel ist die Möglichkeit, mit einem Forum die Diskussion zwischen den Lesern und den Journalisten möglich zu machen. Natürlich wird nicht die freie Welt gerettet, wenn jede Nachrichtenwebsite so ein Forum implementiert – in der Begründung, warum man denn jetzt genau diese Studie macht, hört sich das aber häufiger so an. In der Realität scheitern gerade diese interaktiven Features meist an dem geringen Partizipationswillen der User oder der Zerstörungswut einiger weniger, das hilft der Demokratie natürlich herzlich wenig.

Manchmal ist es einfach interessant, herauszufinden, wer denn nun die Interaktivität am stringesten umsetzt. Sowas kann man in einem Artikel für ein wissenschaftliches Journal natürlich nicht einfach behaupten, und das ist auch richtig so. In einem Blog geht das natürlich. Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Kommunikationswssenschaftler die naive Datensammelwut der Blogger beneidet. Forschen weil es Spaß macht, nicht weil etwas in einen größeren Zusammenhang gestellt werden muss. Nur die Qualität der Ergebnisse, die darf man dann nicht überbewerten.

Zensur und Freiheit

Saturday, March 15th, 2008

Von beidem kann man zuviel haben, habe ich Donnerstag im berliner Büro der FAZ gelernt. Dort sprachen FAZ-Herausgeber Werner D’Inka und weitere Gäste über die Chancen und Risiken, die sich für Journalismus im Internet auftun. Eingeladen hatte das Institute for International Journalism.

Reporters Without Borders - Press Freedom Map

Zu Anfang gab’s erstmal auf den Deckel für Reporter ohne Grenzen. Die hatten Indien auf den 120. Platz in der Rangliste der Pressefreiheit verbannt, hinter solche Freiheitsgaranten wie Kenia, Bhutan und den Tschad. Darüber beschwerte sich lautstark Vidya Subrahmaniam von der indischen Tageszeitung “The Hindu”. Michael Redisk, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, musste bei diesem Angriff passen. Mit Indien beschäftige man sich nicht sehr eingehend, gab er zu.

Dabei, so erklärten Subrahmaniam wie auch Sankarshan Thakur vom „Telegraph“, geniesse Indiens Presse in vielerlei Hinsicht doch gerade zuviel Freiheiten. Auf einem Markt, in dem über 60.000 Zeitungen gegeneinander antreten, können sich die Konsumenten über mangelnde Vielfalt nicht gerade beklagen. Die vielen neuen Leser, die dank sinkenden Analphabetismusraten an die Kioske strömen, werden mit harten Bandagen umkämpft. Leider schlage sich dieses rasante Wachstum aber nur in Quantität – jedes Jahr werden mehr als 2000 neue Zeitungen auf den Markt gebracht – aber nicht in Qualität wieder.

Das hat zwei Gründe. Die vielen neuen Leser werden vor allem mit viel Schnulz, Sport und Sex gelockt, nur selten schaffen es relevante politische Meldungen auf die Titelseite. Dazu liefern sich konkurrierende Zeitungen häufig ruinöse Preisschlachten, so dass manches Blatt für weniger als umgerechnet einen Euro-Cent zu haben ist. Das alles stärkt nicht gerade die Position der Journalisten in ihren Zeitungen. Und so fällt oft der Betriebswirt die Entscheidung über das Titelfoto. Schließlich müsse das doch ein angenehmes werbliches Umfeld für den Anzeigenkunden herstellen, erzählte Thakur. Journalistisches Argumentieren mit Nachrichtenwerten hilft da nicht viel. Zu viel Freiheiten auf dem Markt erweisen sich in diesem Fall als kontraproduktiv für die Sache der Pressefreiheit, resümierten beide indische Journalisten.

Für diese Probleme hatten die vielen Anwesenden Journalisten aus verschiedenen Entwicklungsländern nur ein mildes Lächeln über. Für sie ging es um grundsätzliches: Wie kann ich Radio senden, wenn der Staat Störsender einsetzt? Was bringen Blogs, wenn ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen kann und auch keinen Zugang zum Internet besitzt? Und wenn Blogs, wie kann man verhindern, dass sie als agitatorisches Werkzeug mißbraucht werden, wie es in Kenia geschehen ist. Dort hatten Hetzer in ihren Blogs zum Mord an Oppositionspolitikern aufgerufen.

Die Möglichkeiten, die das Web bietet um Zensur zu umgehen, können in den kritischen Gebieten der Erde noch gar nicht wahrgenommen werden, ist das ernüchternde Ergebnis. In Afrika könnten Informationen mittels Handys sehr viel mehr Menschen erreichen, als das über das Kabeltelefonnetz jetzt noch möglich ist. Allein, die Technik ist nicht soweit. „Wir leben in prähistorischen Zeiten, was Online-Journalismus angeht“, fasste es der Direktor des World Editor Forums, Bertrand Pecquerie, zusammen.

Ansonsten ging es wieder einmal viel um den gefühlten Gegensatz von Print- und Online-Journalismus und der Rolle, die Bürgerjournalisten und User-Generated-Content bei der Ablösung klassischer Medien als gesellschaftliche Instanzen der Informationsvermittlung spielen. Diese Diskussion, so sehr sie betroffene Journalisten interessieren mag, geht aber an der Frage nach der Demokratiefunktion von elektronischen Medien vorbei.

In undemokratischen Gesellschaften gibt es kein etabliertes Mediensystem, keine erfahrenen Journalisten, die sich im angeblichen Wettstreit mit Bloggern befinden. Alle kritischen Journalisten sind zugleich Bürgerjournalisten, weil sie sich ausserhalb von etablierten Medienorganisationen bewegen müssen. Um Publizieren zu können, können sie nur auf Plattformen und Alternativmedien wie Blogs, Social Networks und Piratenradio ausweichen. Es ist zwar nicht egal, ob man schon zwanzig Jahre Erfahrung im Journalismus hat, oder zum erstenmal ein Mikrofon in der Hand hält - aber unter demokratiefeindlichen Regimen  spielt das keine Rolle um Zugang zu relevanten Veröffentlichungskanälen zu bekommen. Kritische Berichsterstatter sind auf die Werkzeuge der Bürgerjournalisten angewiesen, weil sie sonst nichts veröffentlichen können.

Not Everything In the Public Is For the Public

Friday, March 7th, 2008

Clay Shirky - Here Comes Everybody I’ve heard him on NPR, I’ve listened to him at DLD, and now I can’t wait to get my hands on Clay Shirky’s new book “Here Comes Everybody”. The following excerpt - which I took from a blog of Shirky’s publishers - might not be in the book, but it sums up some of the most common misconceptions about User-Generated-Content in a very elegant way:

“A good deal of user-generated content isn’t actually “content” at all, at least not in the sense of material designed for an audience. Instead, a lot of it is just part of a conversation.”

“Mainstream media has often missed this, because they are used to thinking of any group of people as an audience. Audience, though, is just one pattern a group can exist in; another is community. Most amateur media unfolds in a community setting, and a community isn’t just a small audience; it has a social density, a pattern of users talking to one another, that audiences lack. An audience isn’t just a big community either; it’s more anonymous, with many fewer ties between users.”

“As a result, some tools support both publication and conversation. Weblogs aren’t only like newspapers and they aren’t only like coffeeshops and they aren’t only like diaries — their meaning changes depending on how they are used, running the gamut from reaching the world to gossiping with your friends.

If (nearly) all borders between trading information publicly and establishing a social life will fall – is that a good thing? I hope I can find the answer in his new book, otherwise I will be a lot less excited about the opportunities the internet opens up to society.