All Things Considered

Archive for the ‘medienökonomie’ Category

Wie man Piraten das Wasser abgräbt

Saturday, November 22nd, 2008

Und zwar den metaphorischen, nicht den echten, vor der somalischen Küste auf Öltanker lauernden, das erklärt Matt Mason in “The Pirate’s Dilemma“. Das Buch versammelt viele Beispiele für die kulturellen und ökonomischen Wirkungen von geistiger und materieller Piraterie, meist mit einer klar positiven Einstellung gegenüber den Piraten und ihrem Tun.

Kulturell wird alles von den Punks, Fanzines und der Do-it-yourself-Bewegung über HipHop, Mixtapes und Samples bis zur Open-Source-Gesellschaft abgehandelt. Und natürlich wird auch auf die Musik- und Filmindustrie eingegangen - immer mit der These, dass Piraterie gesamtgesellschaftlich ein wertvolles Marktkorrektiv darstellt, da sie bestehende Ungleichgewichte verlagern kann. Wenn angegriffene Unternehmen mit den Piraten in ihren Gewässern konkurrieren, dann sei das schlecht für die Piraten, aber  besser für alle anderen, schreibt Mason.

Sehr viel neues gibt es nicht zu entdecken, aber als Überblick eignet sich die Zusammenstellung recht gut. Das Buch gibt es, na klar, auch als Piratenversion als Download. Den Preis kann man selbst bestimmen.

Heuschrecke am Ende

Saturday, November 22nd, 2008

Eingestiegen war David Montgomery bei dem Berliner Zeitungsverlag mit großen Renditevorstellungen. Die Berliner Zeitung, das Stadtmagazin Tip und der Berliner Kurier sollten nur den Auftakt bilden für eine Reihe von lokalen Titeln, weitere Einkäufe waren geplant. Sein Auftritt sorgte für Verängstigung in der Branche - kommen jetzt die Finanzinvestoren?

Aber heute ist die Shopping-Tour ist vorbei, die Mitarbeiter im Verlagshaus am Alexanderplatz lassen keine Gelegenheit aus, den Berliner Statthalter Deppenbrock zu kritisieren, und Montgomerys eigene Gesellschaft Meocom steht vor Finanzproblemen. In seinem Londoner Büro haben ihn Matthias Lambrecht und Jennifer Lachman besucht und den Aufstieg und Fall des David Montgomery für die (selbst strauchelnde) FTD lesenswert aufgeschrieben:

“An der Börse ist die Mecom-Aktie, die im Juli 2007 noch bei 97 Pence notierte, auf 1,5 Pence abgestürzt. Ein Misstrauensvotum gegen Montgomery, der einst Investoren mit höchst ambitionierten Renditeversprechen köderte. Der hierfür in den von ihm übernommenen Titeln beispiellose Sparmaßnahmen einleitete, die in den Redaktionen zu Proteststürmen gegen die Heuschrecke aus London führten. Der aller Kritik zum Trotz weiter ein Blatt nach dem anderen einkaufte - und dafür immer wieder die Unterstützung seiner Geldgeber fand. 570 Mio. Pfund Kapital sammelte Montgomery beim Börsengang im März 2007 ein. Mehr als 1,3 Mrd. Pfund wandte er auf, um all seine Beteiligungen zu erwerben.”

“Jetzt ist der Visionär zum Kapitalvernichter geworden. 24 Mio. Pfund ist Mecom an der Börse noch wert, 587 Mio. Pfund Schulden lasten auf dem Konzern. ‘Das ist das Ende dieser Einkaufsserie’, sagt der Analyst Simon Davies von ABN Amro. ‘Die stehen unter massivem Druck.’”

Medien-Aktien: Kein Anlage-Tipp

Saturday, November 15th, 2008

Im letzten November habe ich im Börsenspiel der FAZ ein eigenes Depot nur mit Aktien von Medienunternehmen aus Europa und den USA eingerichtet. Die 50.000 Euro, die ich damals investiert habe, sind heute noch 31.744,76 Euro wert. In einem Jahr hat das Depot 37% Wertverlust erlebt. (more…)

Michael Moore for Free

Wednesday, September 24th, 2008

Michael Moore macht seinen neuesten Film “Slacker Uprising” kostenlos im Internet zugaenglich. Das Budget von $2 Millionen ist zehnmal so gross wie das seines ersten Films “Roger & Me”, trotzdem will Moore kein Geld verdienen, sondern junge Waehler zum Urnengang aufrufen (mehr bei tapmag). Den Film gibt es ueber slackeruprising.com. Wie man die IP-Sperre umgeht, wenn man nicht in den USA oder Kanada ist, steht hier.

Der digitale Lesezirkel ist da

Sunday, August 17th, 2008

Auf Mymagazines.com kann man eingescannte Magazine und Zeitschriften hochladen und mit anderen Nutzern teilen. Die einzelnen Titel lassen sich bequem durchblättern, interessantes zoomt man heran oder kommentiert es. Der Reader ist sehr komfortabel ausgestattet, und macht das Lesen einfach und intuitiv, in manchen Fällen ist sogar das Inhaltsverzeichnis logisch verknüpft und man muss nur noch auf den Titel eines Artikels klicken, um zum gewünschten Inhalt zu gelangen.

Von Business-Titeln wie Advertising Age und The Economist, über Lifestyle-Blätter wie FHM und Cosmopolitan bis zu Macworld und National Geographic ist schon so ziemlich alles dabei – das ist definitiv mehr Auswahl als bei meinem Kiosk an der Ecke. Mymagazines.com konkurriert, wenn es um die Produktauswahl geht, schon eher mit dem Bahnhofshandel.

Natürlich sehen das die Zeitschriftenverleger nicht gerne, und erwägen rechtliche Schritte gegen die Seite, die erst seit Juli 2008 online ist. Die Firma, die für einen John Smith in The Valley in Anguilla eingetragen ist, rechtfertigt sich damit, dass ihre Art der Bereitstellung sich nicht von der Nutzung in ärztlichen Wartezimmern oder in Friseursalons unterscheide. In beiden Fällen kauft jemand ein Exemplar und macht es dann anderen an einem bestimmten Ort zugänglich. Dass die Seite mit fremden Inhalten Geld macht, kann man den Machern jedenfalls nicht vorwerfen – Anzeigen oder eine Registrierungsgebühr fehlen komplett.

Ob das Modell jetzt Bestand hat oder nicht, es ist auf jeden Fall ein weiteres Beispiel dafür, dass sich von kaum einen analogen Inhalt die Digitalisierung verhindern lässt. Denn wenn es die Rechteinhaber nicht selbst machen, dann übernehmen das eben die Nutzer. Und nur um die Cosmopolitan zu lesen, muss man jetzt nicht mehr zum Arzt gehen.

(via)