All Things Considered

Archive for the ‘Journalismus’ Category

Amy Goodman in Berlin

Friday, December 12th, 2008

Die Journalistin und Gründerin von Democracy Now ist heute in Berlin, um ihr neues Buch “Standing Up to the Madness” vorzustellen. Amy Goodman hat während der Vorbereitung und der ersten Phase des Irak-Kriegs einige der wenigen Perspektiven geliefert, die das distanzlose Hinterhertrotten der amerikanischen Mainstream-Medien hinter den Vorgaben der US-Regierung in Frage gestellt hat.

DemocracyNow.org ist ein wichtiger Knotenpunkt für alternative Nachrichten für ein amerikanisches Publikum, das über manche Themen ansonsten überhaupt nicht informiert wird. Amy Goodman spricht heute um 18.30 im Hauptgebaäude der Berliner Humboldt-Universität Unter-den-Linden im Raum 1070. Eine Anmeldung ist nicht benötigt. Mehr Infos hier: http://tour.democracynow.org/2008/12/berlingermany1.html.

Gestern war Amy Goodman mit ihrer Sendung in Hamburg und hat dort Matthias Müller von Blumencron, SPIEGEL-Chefredakteur, getroffen. Mit ihm hat sie über die SPIEGEL Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl in den USA gesprochen. Ihr zweiter Interviewpartner ist Kurt Groenewold, der Mitglieder der Roten Armee Fraktion vor Gericht vertreten hat, und der zum Beispiel Otto Schily als Oportunisten aburteilt, dem es im Grunde egal ist, ob er die RAF oder das BKA vertritt.

Heuschrecke am Ende

Saturday, November 22nd, 2008

Eingestiegen war David Montgomery bei dem Berliner Zeitungsverlag mit großen Renditevorstellungen. Die Berliner Zeitung, das Stadtmagazin Tip und der Berliner Kurier sollten nur den Auftakt bilden für eine Reihe von lokalen Titeln, weitere Einkäufe waren geplant. Sein Auftritt sorgte für Verängstigung in der Branche - kommen jetzt die Finanzinvestoren?

Aber heute ist die Shopping-Tour ist vorbei, die Mitarbeiter im Verlagshaus am Alexanderplatz lassen keine Gelegenheit aus, den Berliner Statthalter Deppenbrock zu kritisieren, und Montgomerys eigene Gesellschaft Meocom steht vor Finanzproblemen. In seinem Londoner Büro haben ihn Matthias Lambrecht und Jennifer Lachman besucht und den Aufstieg und Fall des David Montgomery für die (selbst strauchelnde) FTD lesenswert aufgeschrieben:

“An der Börse ist die Mecom-Aktie, die im Juli 2007 noch bei 97 Pence notierte, auf 1,5 Pence abgestürzt. Ein Misstrauensvotum gegen Montgomery, der einst Investoren mit höchst ambitionierten Renditeversprechen köderte. Der hierfür in den von ihm übernommenen Titeln beispiellose Sparmaßnahmen einleitete, die in den Redaktionen zu Proteststürmen gegen die Heuschrecke aus London führten. Der aller Kritik zum Trotz weiter ein Blatt nach dem anderen einkaufte - und dafür immer wieder die Unterstützung seiner Geldgeber fand. 570 Mio. Pfund Kapital sammelte Montgomery beim Börsengang im März 2007 ein. Mehr als 1,3 Mrd. Pfund wandte er auf, um all seine Beteiligungen zu erwerben.”

“Jetzt ist der Visionär zum Kapitalvernichter geworden. 24 Mio. Pfund ist Mecom an der Börse noch wert, 587 Mio. Pfund Schulden lasten auf dem Konzern. ‘Das ist das Ende dieser Einkaufsserie’, sagt der Analyst Simon Davies von ABN Amro. ‘Die stehen unter massivem Druck.’”

Medien-Aktien: Kein Anlage-Tipp

Saturday, November 15th, 2008

Im letzten November habe ich im Börsenspiel der FAZ ein eigenes Depot nur mit Aktien von Medienunternehmen aus Europa und den USA eingerichtet. Die 50.000 Euro, die ich damals investiert habe, sind heute noch 31.744,76 Euro wert. In einem Jahr hat das Depot 37% Wertverlust erlebt. (more…)

On-Demand-Media zum Aufhängen

Wednesday, October 29th, 2008

Die BBC hat Anfang 2008 eine Studie zu den veränderten Mediennutzungsgewohneiten ihrer Nutzer durchgeführt:

“we studied how people find, play, personalise and share programmes across different devices and services - like BBC iPlayer, Sky+, YouTube, peer-to-peer and traditional TV and radio.”

Die Ergebnisse sind in zwei Illustrationen verpackt worden, die es in die ein oder andere Powerpoint-Präsentation schaffen dürften.

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NBC steht in den Startlöchern

Friday, August 8th, 2008

Wenn heute die olympischen Spiele eröffnet werden, dann bedeutet das auch den Auftakt für eine gigantische Welle von Sportsendungen, die in den nächsten siebzehn Tagen die Bildschirme überschwemmen wird. Alleine der amerikanische Fernsehsender NBC wird 3.600 Stunden Berichterstattung auf den hauseigenen Fernsehkanälen und über Live-Streams und andere Verbreitungswege im Netz auf die Zuschauer loslassen – ein Vorhaben, das NBC selbst  “the single most ambitious media project in history” nennt.

Die große Frage für NBC ist dabei nicht wer das alles schauen soll, sondern wie das alles geschaut wird. Denn das der Bedarf an Live-Sportübertragungen ungebrochen ist, steht außer Frage – niemand weiß aber, über welchen Übertragungsweg die Zuschauer am liebsten Siege und Niederlagen, Schweiß und Glück der Olympioniken miterleben wollen. Diese Faszination der Zuschauer ließ sich bisher immer bestens in Form von Werbezeiten in Geld umwandeln, deshalb musste NBC für die Rechte an den Spielen ganze 894 Millionen US-Dollar bezahlen.

Doch das Vertrauen der Werbekunden in das Medium Fernsehen sinkt, die jungen Zielgruppen wandern ins Netz und zu anderen Plattformen ab, digitale Videorekorder wie TiVo ziehen Unterbrecherwerbung den Boden unter den Füssen weg, weil die Werbepausen einfach vorgespult werden können. NBC hat auch deshalb soviel Geld für die Übertragungsrechte der Spiele in Peking hingelegt, weil die Senderverantwortlichen besonderes vorhaben, erklärt der amerikanische Medienjournalist Grant Robertson im Globe & Mail.  “What this really is, is a billion-dollar research lab”, zitiert er Alan Wurtzel, President of Research bei NBC Universal.

Wurtzel und seine Leute wollen die seltene Chance ergreifen und nachweisen, dass trotz sinkender Zuschauerzahlen im traditionellen Fernsehmarkt die kombinierten Zuschauerzahlen über alle Plattformen hinweg tatsächlich wachsen. „[They] believe television is no longer counting its viewers the right way“ erklärt Robertson. Diese arithmetische Schwäche soll TAMI, der Total Audience Measurement Index, beheben. Diese Zählweise könnte dann, so erfolgreich in der olympischen Testphase, die bisherigen isolierten Quotenmessungen ablösen, und das gesamte Publikum eines Programms in einer Zahl darstellen.

Im Interview bei On The Media hat Robertson seine Einschätzung der Erfolgsaussichten für das Projekt dargelegt. Viel hängt für ihn davon ab, ob sich anhand der Zahlen nachweisen lässt, dass viele junge Zuschauer nicht verloren sind, sondern über Internet oder Handy das Programm konsumieren. Wenn NBC den Werbekunden eine Möglichkeit geben könnte, diese verloren geglaubten Zielgruppen wieder zu erreichen, und das auf Plattformen, auf denen Werbung effektiv geschaltet werden kann, hätte sich die Investition gelohnt.

Die Idee abschreiben könnte NBC wohl, wenn die Zahlen das Horrorszenario der Medienbranche abbilden – ein stark fragmentiertes Umfeld, in denen jeder Verwertungskanal nur wenige Zuschauer versammeln kann, die sich dann auch noch äußerst resistent gegen Werbung in Internet-Videos zeigen oder die Vorspultaste des digitalen Videorekorders mit Freude nutzen um der Werbung aus dem Weg zu gehen. Wenn also die befürchtete Erosion der Zuschauermärkte real ist, dann hätte sich “the single most ambitious media project in history” als Rohrkrepierer erwiesen, führt Robertson aus.

Ein Verlustgeschäft wird Olympia für NBC aber trotzdem nicht werden, der Sender rechnet mit einem zehnprozentigem Profit aus Werbung und Weitervermarktung der eigenen Inhalte. Denn um eine Vielzahl von Menschen über einen Kanal mit den eigenen Werbebotschaften zu erreichen, darin ist das Fernsehen gekoppelt mit der Anziehungskraft eines Sportereignisses wie den olympischen Spielen nach wie vor ungeschlagen. Gerade hat Barack Obamas Wahlkampfteam TV-Sendezeit im Wert von fünf Millionen US-Dollar bei NBC eingekauft – auch der facebook-Kandidat, der im Internet so viele neue Wähler erreichen konnte, setzt also auf das alte Medium Fernsehen, um mit wenig Aufwand viele Menschen zu erreichen.

Hier ist noch eine Videovorstellung des NBC Players, der während der Spiele zum Einsatz kommt, aber nur von den USA aus aufgerufen werden kann: