All Things Considered

Archive for September, 2008

Michael Moore for Free

Wednesday, September 24th, 2008

Michael Moore macht seinen neuesten Film “Slacker Uprising” kostenlos im Internet zugaenglich. Das Budget von $2 Millionen ist zehnmal so gross wie das seines ersten Films “Roger & Me”, trotzdem will Moore kein Geld verdienen, sondern junge Waehler zum Urnengang aufrufen (mehr bei tapmag). Den Film gibt es ueber slackeruprising.com. Wie man die IP-Sperre umgeht, wenn man nicht in den USA oder Kanada ist, steht hier.

Country vs. Promise

Saturday, September 6th, 2008

Die in den Nominierungsreden der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten am häufigsten verwendeten Wörter:

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Ein Vormittag mit Barack Obama

Tuesday, September 2nd, 2008

Elf Uhr vierzig, die Menge wird langsam unruhig und beginnt sich selbst zu unterhalten: “Yes, we can! Yes, we can!” Auf der Bühne steht noch eine Simultanübersetzerin fuer Gehörlose, die begeistert mit einstimmt. Die rechte Faust ballt sie um eine nickende Geste auszuführen, die Faust geht mit gestrecktem Zeigefinger zur Brust, dann ballt sie beide Fäuste und stemmt sie bestimmt in Richtung Boden: Ja, wir können! Gegenseitig heizen sich Publikum und die kleine Frau im Sommerkleid an, alles um ihn, den Demokratischen Präsidentschaftsbewerber, Heilsbringer und Hoffnungsträger auf die Bühne zu locken. Vergeblich. Barack Obama setzt seinen eigenen Zeitplan.

By Kolja Langnese, all rights reserved

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Dabei sind sie hier in Detroit doch auf seiner Seite. Michigan geht vor die Hunde, die großen Autohersteller leiden schon seit Jahrzehnten an sinkenden Absatzzahlen und entlassen Jahr fuer Jahr jüngere Arbeiter. Ein Gewerkschaftsführer schwärmt von den Zeiten, als die “Unions” noch über eine Million Menschen zum Streiken aufrufen konnten. Heute kämpft man gegen Wal-Mart und ist froh, überhaupt Arbeiter gewerkschaftlich organisieren zu können. Wenn Wandel nötig ist, dann hier in Michigan, dass von den Ostküstenbewohnern nur “fly-over land” gennant wird. Wenn Washington sich den Problemen im Land stellen will, dann hier in Detroit.

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“Change that you can belive in” verspricht das tiefblaue Plakat hinter der Buehne, die Obama zwanzig Minuten später lockeren Schrittes erklimmt. Vorher singt noch Aretha Franklin die Nationalhymne, wird noch der Fahneneid geschworen. Angepriesen von den drei Präsidenten der grossen Automobil-Gewerkschaften, herbeigesehnt von den zwanzigtausend im Hart Plaza und den zehntausend, die draußen warten, hat der charismatische Senator aus Illinois an diesem heißen “Labor Day” leichtes Spiel.

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Wandel und Verbundenheit - das sind Obamas Themen. Die Bewegung, die im Laufe seiner Bewerbung um die Kandidatur entstand, soll den Wandel nach Washington tragen, sonst ändert sich dort nie etwas. Die Verbundenheit soll das “jeder ist sich selbst der nächste” der Republikaner ersetzen. Obama schmiedet an einer grossen Koalitition, er hat die Gewerkschaften und die Armen von seiner Botschaft überzeugt, er weiß die Jungen und die Studenten hinter sich, die Bürgerrechtler sind ohnehin auf seiner Seite.

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Seine Rede ist kurz, Obama geht auf seine Verbundenheit zur Arbeiterbewegung ein, zählt ihre Erfolge auf. “You know, I’m a labor guy!” sagt er schliesslich. Dann singt er noch ein, zwei Takte aus Aretha Franklins “Chain of Fools”, bevor er zum politischen Tagesgeschaeft übergeht. Hurrikan Gustav droht New Orleans ein weiteres Mal zu verwüsten. “There is a time to argue politics, and there’s a time to come together as Americans.” Anstatt wie John F. Kennedy 1960 zum “Labor Day” eine grosse Rede zur Lage der Arbeiter zu halten, lässt Obama aus Respekt vor den möglichen Opfern des Sturms diese Gelegenheit vergehen. Obama bittet um einen Moment der Stille, für die Sturmopfer, für einen kurzen Moment wird es still im Hart Plaza, nicht mal die Fotografen auf der Pressetribüne lassen ihre Ausloeser jetzt klicken.

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Dann legt Obama nach und beschwört die Verbundenheit und die Ideale der Verfassung: “Each of us are vulnerable by ourselves. [...] But when we are unified, we come together in a more perfect union.” Die ganze Zeit hat die kleine Übersetzerin enthusiastisch Obamas Worte in Zeichensprache umgewandelt, gelächelt und alles gegeben. Jetzt kann sie durchatmen. Obama verabschiedet sich, springt in den Graben vor der Bühne und beginnt Hände zu schuetteln, Babys zu halten und Bücher zu unterschreiben.

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Auch in das von Timothy setzt er seine Unterschrift. Sein Exemplar von “Dreams of my Fathers” ist gut gelesen, die wichtigsten Passagen hat er sich mit bunten Post-Its markiert, damit er sie schnell zur Hand hat. Timothy ist fünfzehn und Volunteer im Obama-Team. Seine Mutter und er reisen zu allen Veranstaltungen im Mittleren Westen, helfen wo sie koennen, und hoffen auf einen Wahlsieg von Obama im November. Tims Mutter erzaehlt von ihrer Zeit in Deutschland, dann von Sarah Palin, die John McCain gerade zu seiner Kandidatin fuer das Amt als Vizepräsidentin erkoren hat. Da winkt die neben uns stehende Frau ab, auf ihrem Schild steht “Staff”, und Tims Mutter wird still. “Volunteers” duerfen nicht mit der Presse reden.

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Die Fotografen stürmen auf die Buehne, fotografieren Obama von allen Seiten, oben, unten. Alle wollen jetzt noch ein Zitat, ein Lächeln fuer die Kamera. Obama hat Charisma im Überfluss, also wirft er jeder Linse ein Lächeln zu, ergreift jede Hand und sieht jedem Wähler, der es in die erste Reihe geschafft hat, in die Augen. Es ist, als wolle er dem gegenüber seine Leibhaftigkeit versichern. Ja, ich bin.

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