All Things Considered

Archive for Mai, 2008

Murdoch mag Google

Freitag, Mai 30th, 2008

Rupert Murdoch war on stage auf der D6 Conference letzte Woche. Einiges interessantes ist dabei gewesen, vor allem die unglaubliche Zahl von 8,3 Redakteuren, die beim Wall Street Journal durchschnittlich an einer Story feilen. Auch nicht schlecht sind Murdochs Aussagen zu Google:

“Every piece of story in WSJ has on average about 8.3 editors involved [...] that is ridiculous. You have to get all of the facts in in half the space [...] New York Times charges $500 a year for subscription [...] now we charge about $150 a year. We still have a long way to go.”

“I think they [Google] are great partners [...] I think they are the greatest company in America. But, for anyone to be a monopoly is a problem [...] but the marketplace takes care of monopolies.”

Ein neues Buch über die Abenteuer des Medien-Grandseigneurs in China ist gerade in den USA erschienen. Irgendwie sträube ich mich seit Jahren mal eine Biographie von Murdoch zu lesen, vielleicht ist das ja mal was. Toller Name übrigens, also die “All Things Digital” Konferenz.

(via)

Und sie können es doch!

Donnerstag, Mai 29th, 2008

Bürgerjournalisten wird gerne abgesprochen, eigenständig Nachrichten recherchieren und verarbeiten zu können. Deswegen ist eine der spannendsten Fragestellungen, wie Bürgerjournalisten Nachrichten produzieren. Zvi Reich erforscht an der israelischen Ben-Gurion-Universität genau das. Sein Befund: Ja, sie können.

Auf der jährlichen ICA-Konferenz hat er kürzlich seine Ergebnisse vorgestellt, die aus einem Vergleich dreier israelischer Mainstream-Nachrichtenmedien mit einem Portal für Bürgerjournalisten mit dem schönen Namen Scoop! hervorgehen. Dort waren 52% der Meldungen originäre Nachrichten, die nicht aus anderen Medienberichten hervorgingen. Keine schlechte Quote.

Wie hat er das herausgefunden? Klar ist: Max Mustermann von nebenan braucht schon eine verdammt gute Geschichte, um damit in der Zeitung zu landen. Paris Hilton oder die Bundeskanzlerin stehen fast jeden Tag drin.  Je höher die Position der Quellen oder die Macht ihrer Institution, umso einfacher fällt es diesen Quellen, Berichterstattung in der Zusammenarbeit mit Medienvertretern zu erwirken. Zvi Reich kehrt dieses Modell um. Statt bei den Quellen anzusetzen, fragt er, wie die Einbindung von Reportern in Institutionen wie einer Redaktion den Zugang zu den Quellen beeinflusst.

Die ersten Ergebnisse weisen auf eine asymmetrische Beziehung der Bürgerreporter zu ihren Quellen hin. Während redaktionell eingebundene Journalisten ihren Informanten durch die Macht ihrer Organisation gestärkt gegenübertreten können, fehlt den Bürgerreportern diese Einbindung. Sie bekommen nur Zugang zu schwachen Quellen mit wenig Einfluss aus ihren Positionen heraus. Die Gründe liegen laut Reich in der fehlenden organisatorischen Vernetzung, der ineffizienten Arbeitsteilung, dem begrenzten journalistischen Fachwissen und der geringen organisatorischen Kontrolle von Bürgerreportern.

Aber: Sie können es. Grundsätzlich rüttelt dieser Befund ein weiteres Mal an der klassischen Definition von Journalismus. Wo zieht man die Grenzen? Ist ein Journalist jemand, der der Öffentlichkeit Informationen bereitstellt? Oder jemand, der aufgrund seiner Ausbildung und seiner Kenntnisse Information auswählen und verarbeiten kann, um sie dann publikumsgerecht zu verpacken? Und kann man Bürgerjournalisten mit einer vom klassischen Journalismus abgeleiteten Definition überhaupt gerecht werden?

Ich glaube nein, und das ist auch das Problem vieler Ansätze in diesem Bereich. Mit den herkömmlichen Kategorien sind diese freien Formen des Publizierens nicht zu fassen. Die Autoren haben ganz neue Motivationen, die Plattformen unterscheiden sich grundsätzlich und das Publikum will häufig auch etwas anderes, als es ein Leser von der gedruckten Tageszeitung verlangt. Das ist mit den Charakteristika einer redaktionellen, kommerzialisierten Journalismus kaum zu beschreiben.

A New Deal for American Social Policy

Mittwoch, Mai 28th, 2008

Es soll ja Menschen geben, die glauben, dass es in den USA keinerlei staatliche soziale Absicherungen gebe. Kein Vorwurf, das Bild von den “amerikanischen Verhältnissen” impliziert ja eine Gesellschaft sozialer Kälte, in der jeder sich selbst der nächste ist.

Tatsächlich geht die durchaus existente Sozialgesetzgebung in weiten Teilen auf den New Deal der 30er Jahre zurück. EIne Folge dieser New Deal Gesetze ist die eigentümliche Teilung der Sozialprogramme in der öffentlichen Wahrnehmung in Sozialversicherung und Sozialhilfe. Warum die meisten Amerikaner Welfare sehr negativ sehen, aber über Social Security kein schlechtes Wort verlieren, habe ich für die Uni aufgeschrieben. Wie immer hab ich erst viel zu spät angefangen, und bin dann auch nicht rechtzeitig fertig geworden, dementsprechend unzufrieden bin ich mit dem Endprodukt. Aber wen es interessiert: hier lang.

Interaktivität von Nachrichtenwebsites

Freitag, Mai 9th, 2008

Das britische Online Journalism Blog sammelt seit einiger Zeit Daten zur Interaktivität von Nachrichtenwebsites. Daraus ergibt sich dieses Tool, das den bisherigen Datenbestand vergleichbar macht:

Deutsche Seiten sind noch nicht dabei, die findet man aber bei Wortfeld.de. Dort hat Alexander Svensson mit einem Wiki zu den Features deutscher Tageszeitungwebsites ähnliches versucht. Insgesamt ist der Datensatz des Online Journalism Blog eher dürftig, interessant ist der Versuch trotzdem. Interaktivität ist in der Kommunikationswissenschaft ein bekanntes und auch einigermassen gut erforschtes Konzept.

Das Problem der Wissenschaft ist gerade bei diesem Konzept aber meist die theoretische Begründung. Bei Interaktivitäts-Studien werden häufig demokratie-theoretische Aspekte bemüht, um die Wichtigkeit von interaktiven Elementen zu unterstreichen. Ein Lieblingsbeispiel ist die Möglichkeit, mit einem Forum die Diskussion zwischen den Lesern und den Journalisten möglich zu machen. Natürlich wird nicht die freie Welt gerettet, wenn jede Nachrichtenwebsite so ein Forum implementiert – in der Begründung, warum man denn jetzt genau diese Studie macht, hört sich das aber häufiger so an. In der Realität scheitern gerade diese interaktiven Features meist an dem geringen Partizipationswillen der User oder der Zerstörungswut einiger weniger, das hilft der Demokratie natürlich herzlich wenig.

Manchmal ist es einfach interessant, herauszufinden, wer denn nun die Interaktivität am stringesten umsetzt. Sowas kann man in einem Artikel für ein wissenschaftliches Journal natürlich nicht einfach behaupten, und das ist auch richtig so. In einem Blog geht das natürlich. Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Kommunikationswssenschaftler die naive Datensammelwut der Blogger beneidet. Forschen weil es Spaß macht, nicht weil etwas in einen größeren Zusammenhang gestellt werden muss. Nur die Qualität der Ergebnisse, die darf man dann nicht überbewerten.

Windows Handy mit gutem Design

Mittwoch, Mai 7th, 2008

Hab ich das gerade gesagt? Ungaublich.

Das offizielle Video setzt zwar ein bißchen zu sehr auf gewittrige Sound-Effects, aber egal:

Das Gerät gibt’s ab Juni in Europa zu kaufen, erfunden hat’s HTC.

Mehr Infos und technische Details hat Phone Scoop.