Die Öffentlich-Rechtlichen als Idealmaß
Saturday, April 12th, 2008Der scheidende Verfassungsrichter Wolfgang Hoffman-Riem offenbart im Interview mit der Süddeutschen einige seiner medienpolitischen Erkenntnisse:
SZ: Ist ein öffentlich-rechtliches Fernsehen überlebenswichtig für die deutsche Demokratie?
Wolfgang Hoffmann-Riem: Die deutsche Demokratie geht nicht unter, wenn sich Strukturen des Mediensystems verändern. Eine formal verstandene Demokratie leidet darunter nicht; die inhaltliche Qualität der Demokratie kann aber leiden.
SZ: Die Qualität einer Demokratie wird von der Qualität des Fernsehens entscheidend geprägt?
Hoffmann-Riem: Von der Qualität der Medien ganz allgemein: von Printmedien, Fernsehen und Internet. Ein seinen Auftrag wahrnehmendes öffentlich-rechtliches Fernsehen schafft auch Orientierungspunkte für andere Medien. Journalisten orientieren sich stark an dem, worüber andere wie berichten. Ich bin mir sicher, dass die Vorbild- und Orientierungsfunktion eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens sich auf die Medienordnung insgesamt auswirkt.
SZ: Nimmt die Vorbildfunktion der Öffentlich-Rechtlichen ab oder zu?
Hoffmann-Riem: Wenn diese abnähme, wäre das kein Wunder - angesichts der Diversifizierung der Medienträger, Medienangebote und Übertragungswege. Aber ich bemerke, dass viele Journalisten eigentlich den Prinzipien folgen möchten, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelten. Das gibt manchen immer noch eine professionelle Orientierung.
Die Öffentlich-Rechtlichen formulieren aus, was journalistisches Ethos ausmacht, und die Privaten orientieren sich in Richtung ideeller Fluchtpunkt ARD/ZDF? Eher nicht. Immerhin weist Hoffman-Riem auch auf die gestiegene Quotenorientierung der Öffentlich-Rechtlichen hin, und vergisst auch nicht Renditeabhängigkeit, Hedge-Fonds und die Übermacht ökonomischer Imperative für die Privaten zu erwähnen.

Leave me a message