
Der Entdecker des Long Tail, Chris Anderson, hat ein neues Projekt. In seinem kommenden Buch beschäftigt er sich mit der “Freeconomy”, in der alles für umsonst zu haben ist. Na ja, beinahe. Einen ausführlichen Ausblick in die Welt der unendlich kleinen Grenzkosten erlaubt er im Wired Magazine.Vielleicht beantwortet er ja mit diesem Buch, das 2009 erscheinen soll und tatsächlich Geld kosten wird, die ewige Frage: Sollten Nachrichten im Internet umsonst sein? Mit umsonst ist gemeint: kein exklusiver Zugang für Abonnenten der Print-Ausgabe, keine Archiv-Artikel für fünfzig Cent, alle Artikel online frei zugänglich.
Denn damit quält sich die Medien-Branche wie die -Wissenschaft seit längerem herum. Im Moment schlägt das Pendel in die Richtung freier Zugang zu allen Inhalten. Was sich aber auch wieder ändern kann. In der Praxis geben die seit Jahren steigenden Budgets für Online-Werbung der Hoffnung auftrieb, mehr und mehr Nachrichtenseiten könnten sich durch Anzeigen finanzieren.
Das Problem ist nur: Der Markt für Online-Werbung wächst nicht annähernd so schnell, wie das die Budgets für Anzeigen in Print-Produkten zurück gehen. Wenn Zeitungen jetzt ihre Artikel aus den Printausgaben online kostenlos anbieten, schneiden sie sich damit nicht ins eigene Fleisch? Die These der radikalen umsonst Advokaten ist, dass wer jetzt seine Archive nicht öffnet, in zehn Jahren ohnehin irrelevant geworden ist. Da ist es dann egal, ob man schon jetzt pleite geht, weil niemand mehr die eigene Zeitung kauft, oder ob man in zehn Jahren pleite geht, weil man es nicht geschafft hat, eine Nachrichtenseite mit genügend großer Leserschaft aufzubauen. Dann lieber gleich ins offene Messer springen und hoffen, dass man doch noch irgendwie die magische Formel entdeckt.
Auch die Wissenschaft zieht derzeit einen ähnlichen Schluss. Die “Willingness-To-Pay” ist einfach nicht hoch genug ist das Fazit einer der wenigen Studien zum Thema.
“A random-sample telephone survey of 853 Hong Kong residents found very few users actually responded to paid content and most had no intent to pay in the future.”
Auch das sah schon einmal anders aus.
Nachrichten sind halt eine ganz spezielle Ware, mit schnellem Verfallsdatum aber auch der Möglichkeit, ein und dieselbe Nachricht hundertausendmal zu verkaufen. Dazu kommt: Rein in monetären Größen ist der gesellschaftliche Wert eines freien und funktionierenden Medien-Systems nicht zu beziffern. Darum ist das Fazit der Wissenschaftler vorläufig auch:
“However, as the Internet has become an important news medium serving millions of news users worldwide, the answer to Kawamoto’s (2003) question “Is there value to maintaining digital media when profitability is not achievable?” (p. 27) should be a yes.”
Was aber erst einmal beweist: Nachrichten die nichts kosten sind trotzdem etwas wert. Demnächst gibt’s mehr dazu, weil ich über dieses wunderbare Thema nämlich eine Hausarbeit schreibe.
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