Ob das Magazin demnächst als Synthese aus Zeitung und Buch das Pressewesen übernimmt?
Diese Woche eröffnet in Berlin ein weiterer Shop, der sich ausschließlich auf Magazine spezialisiert hat. “Motto” gehört zum gleichnamigen Schweizer Zeitschriftenvertrieb, der Laden eröffnet am 16. Dezember in der Skalitzer Str. 68.
In der ersten Woche gibt es die Gelegenheit einige Magazin-Herausgeber persönlich zu treffen, die im Shop ihre Titel vorstellen. Das Programm sieht so aus:
Die Journalistin und Gründerin von Democracy Now ist heute in Berlin, um ihr neues Buch “Standing Up to the Madness” vorzustellen. Amy Goodman hat während der Vorbereitung und der ersten Phase des Irak-Kriegs einige der wenigen Perspektiven geliefert, die das distanzlose Hinterhertrotten der amerikanischen Mainstream-Medien hinter den Vorgaben der US-Regierung in Frage gestellt hat.
DemocracyNow.org ist ein wichtiger Knotenpunkt für alternative Nachrichten für ein amerikanisches Publikum, das über manche Themen ansonsten überhaupt nicht informiert wird. Amy Goodman spricht heute um 18.30 im Hauptgebaäude der Berliner Humboldt-Universität Unter-den-Linden im Raum 1070. Eine Anmeldung ist nicht benötigt. Mehr Infos hier: http://tour.democracynow.org/2008/12/berlingermany1.html.
Gestern war Amy Goodman mit ihrer Sendung in Hamburg und hat dort Matthias Müller von Blumencron, SPIEGEL-Chefredakteur, getroffen. Mit ihm hat sie über die SPIEGEL Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl in den USA gesprochen. Ihr zweiter Interviewpartner ist Kurt Groenewold, der Mitglieder der Roten Armee Fraktion vor Gericht vertreten hat, und der zum Beispiel Otto Schily als Oportunisten aburteilt, dem es im Grunde egal ist, ob er die RAF oder das BKA vertritt.
Wer auf der Suche nach einem historischen Foto ist, landet früher oder später beim Huton Archive. Viele Redaktionen nutzen das Archiv, das über 600.000 Fotografien umfasst. Mit was für absurden Suchaufträgen sich die Mitarbeiter dort konfrontiert sehen, hat Laurie Hill festgehalten.
Und zwar den metaphorischen, nicht den echten, vor der somalischen Küste auf Öltanker lauernden, das erklärt Matt Mason in “The Pirate’s Dilemma“. Das Buch versammelt viele Beispiele für die kulturellen und ökonomischen Wirkungen von geistiger und materieller Piraterie, meist mit einer klar positiven Einstellung gegenüber den Piraten und ihrem Tun.
Kulturell wird alles von den Punks, Fanzines und der Do-it-yourself-Bewegung über HipHop, Mixtapes und Samples bis zur Open-Source-Gesellschaft abgehandelt. Und natürlich wird auch auf die Musik- und Filmindustrie eingegangen - immer mit der These, dass Piraterie gesamtgesellschaftlich ein wertvolles Marktkorrektiv darstellt, da sie bestehende Ungleichgewichte verlagern kann. Wenn angegriffene Unternehmen mit den Piraten in ihren Gewässern konkurrieren, dann sei das schlecht für die Piraten, aber besser für alle anderen, schreibt Mason.
Sehr viel neues gibt es nicht zu entdecken, aber als Überblick eignet sich die Zusammenstellung recht gut. Das Buch gibt es, na klar, auch als Piratenversion als Download. Den Preis kann man selbst bestimmen.
Eingestiegen war David Montgomery bei dem Berliner Zeitungsverlag mit großen Renditevorstellungen. Die Berliner Zeitung, das Stadtmagazin Tip und der Berliner Kurier sollten nur den Auftakt bilden für eine Reihe von lokalen Titeln, weitere Einkäufe waren geplant. Sein Auftritt sorgte für Verängstigung in der Branche - kommen jetzt die Finanzinvestoren?
Aber heute ist die Shopping-Tour ist vorbei, die Mitarbeiter im Verlagshaus am Alexanderplatz lassen keine Gelegenheit aus, den Berliner Statthalter Deppenbrock zu kritisieren, und Montgomerys eigene Gesellschaft Meocom steht vor Finanzproblemen. In seinem Londoner Büro haben ihn Matthias Lambrecht und Jennifer Lachman besucht und den Aufstieg und Fall des David Montgomery für die (selbst strauchelnde) FTD lesenswert aufgeschrieben:
“An der Börse ist die Mecom-Aktie, die im Juli 2007 noch bei 97 Pence notierte, auf 1,5 Pence abgestürzt. Ein Misstrauensvotum gegen Montgomery, der einst Investoren mit höchst ambitionierten Renditeversprechen köderte. Der hierfür in den von ihm übernommenen Titeln beispiellose Sparmaßnahmen einleitete, die in den Redaktionen zu Proteststürmen gegen die Heuschrecke aus London führten. Der aller Kritik zum Trotz weiter ein Blatt nach dem anderen einkaufte - und dafür immer wieder die Unterstützung seiner Geldgeber fand. 570 Mio. Pfund Kapital sammelte Montgomery beim Börsengang im März 2007 ein. Mehr als 1,3 Mrd. Pfund wandte er auf, um all seine Beteiligungen zu erwerben.”
“Jetzt ist der Visionär zum Kapitalvernichter geworden. 24 Mio. Pfund ist Mecom an der Börse noch wert, 587 Mio. Pfund Schulden lasten auf dem Konzern. ‘Das ist das Ende dieser Einkaufsserie’, sagt der Analyst Simon Davies von ABN Amro. ‘Die stehen unter massivem Druck.’”
Im letzten November habe ich im Börsenspiel der FAZ ein eigenes Depot nur mit Aktien von Medienunternehmen aus Europa und den USA eingerichtet. Die 50.000 Euro, die ich damals investiert habe, sind heute noch 31.744,76 Euro wert. In einem Jahr hat das Depot 37% Wertverlust erlebt. Read the rest of this entry »
Niemand hat das Bild vom Hosenträger-tragenden Börsenmakler, dem Erfolg alles ist und menschliche Regung nichts, so geprägt wie Michael Douglas mit seiner Oscar-prämierten Darstellung des Gordon Gekko in Wall Street. Das war Finanzkapitalismus in seiner glamourösesten Form. Die Zuschauer lernten damals Begriffe wie Off-Shore Account und Insider-Trading neu kennen.
Auch heute werden wieder kryptische Bezeichnungen aus dem Finanzmarkt in die Öffentlichkeit gespült. Mortgage-Backed-Securities haben eine Kernschmelze im globalen Kredit-Reaktor ausgelöst. Dabei hatte der doch bisher unsere Weltwirtschaft immer so effizient mit billiger Finanzenergie versorgt. Aber jetzt? Finanzkraft, nein danke!
Und jetzt stellen Sie sich bitte einmal vor, vor ca. einem Jahr hätte Sie jemand gebeten, das Drehbuch für die Fortsetzung von Wall Street – Money Never Sleeps – zu schreiben. Sie sollen also den Gordon Gekkos von heute nachspüren. Willkommen in der Haut von Stephen Schiff. Der Drehbuchautor hat mit allerbestem Timing das bestellte Drehbuch zum Sequel nur Wochen vor dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers und AIG bei seinen Auftraggebern abgegeben. Seine Erfahrungen während der Recherche hat er hier festgehalten.
Als er anfing, den Stoff zu recherchieren, wollte sich jeder Gesprächspartner mit ihm nur über Hedge Funds unterhalten. Gefragt, was die Herren Investmentbanker denn für die größtmögliche Gefahr für das globale Finanzsystem halten, wurde ihm alles prophezeit – Chinesische Staatsfonds, Terror-Anschläge oder wild gewordene Öl-Scheiche - nur keine Kreditkrise wegen übermäßiger Spekulation mit Finanz-Derivaten.
Unwahrscheinlich, dass Gordon Gekko heute ein Revival feiert. Wie weit die Filmproduktion wohl gekommen ist?
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